20.01.2018

Auswirkung von Insektiziden auf die Zugfähigkeit von Vögeln

Dachsammer Wikimedia
Dachsammer
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Über die Auswirkung von Insektiziden auf die Zugfähigkeit der nordamerikanischen Dachsammer (Zonotrichia leucophrys) berichtet aktuell eine kanadische Arbeitsgruppe. Die körnerfressende Dachsammer ist im Norden ihres Vorkommens (Alaska, arktisches Kanada) Zugvogel, der südlich davon überwintert. Im Test wurden die Auswirkungen der beiden Insektizide Imidacloprid (ein Neonictinoid) und Chlorpyrifos (ein Organophosphat) auf Dachsammern untersucht.

Während des Frühjahrszuges wurden den Dachsammern täglich 3 Tage lang niedrige Dosen (10% LD50) oder hohe Dosen (25% LD50) jeweils eines der beiden Insektizide verabreicht. Die Dachsammern mit Imidacloprid-Gaben zeigten einen signifikanten Rückgang der Fettspeicher und des Körpergewichts (Ø Verlust: -17% bei der niedrigen, -25% bei der hohen Dosis) und zeigten eine deutliche Beeinträchtigung des Orientierungsvermögens. Andere beobachtete Symptome nach Imidaclopridgaben waren Appetitlosigkeit, übermäßiger Speichel und Tod. Chlorpyrifos beeinträchtigte deutlich das Orientierungsvermögen, Auswirkungen auf das Gewicht wurden nicht festgestellt. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Singvögel, die für 3 Tage das tägliche Äquivalent von lediglich 4 Imidacloprid-gebeizten Rapskörnern oder 8 Chlorpyrifos-Körnern zu sich nehmen, folgenschwere Beeinträchtigungen (v.a. in Bezug auf Gesamtzustand, Zugzeit und Zugrichtung) erfahren, die zu erhöhter Mortalität oder zum Verlust der Brutfähigkeit führen können.

Zum Artikel: Eng, M. L., Stutchbury, B. J. M. & Morrissey, C. A.: Imidacloprid and chlorpyrifos insecticides impair migratory ability in a seed-eating songbird, in Scientific Reports 7, Article nr.: 15176 (2017)