07.10.2017

Ausführliche Informationen zu den Bulwersturmvogel- und Zwergdrosselnachweisen 2015

BulwersturmvogelBulwersturmvogel vom Kressbachsee
© A. Hachbenerg

Der im Juli 2015 am Kressbachsee im Landkreis Aalen aufgegriffene Bulwersturmvogel ist der erste Nachweis dieser Art in Mitteleuropa überhaupt. Ein Ende Oktober 2015 von einer Hauskatze in Markgröningen gefangener Vogel, stellte sich schließlich als nordmerikanische Zwergdrossel heraus. Diese Art konnte in Deutschland zuvor nur zwei mal nachgewiesen werden, wobei der letzte Nachweis von Helgoland aus dem Jahr 1869 stammt. Über die beiden überraschenden Entdeckungen des Bulwersturmvogels und der Zwergdrossel wird im aktuellen dda-Heft „Seltene Vögel in Deutschland 2015“ ausführlich berichtet. Andreas Hachenberg beschreibt für die Avifaunistische Kommission Baden-Württemberg den Bulwersturmvogel-Nachweis. Ebenfalls Andreas Hachenberg sowie Christian Wegst und Daniel Schmidt-Rothmund beschäftigen sich mit der Sichtung der Zwergdrossel.


Das Heft „Seltene Vögel in Deutschland 2015“ können Sie hier bestellen:

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Zusammenfassung:

Hachenberg, A. 2017: Ein Bulwersturmvogel Bulweria bulwerii in Baden-Württemberg – eine neue Art für Deutschland und Mitteleuropa. Seltene Vögel in Deutschland 2015: 36-45.

Am 20.Juli 2015 wurde am Kressbachsee (48° 58‘ 56.52‘‘ N; 10° 08‘ 18.84‘‘ E) bei Ellwangen, Landkreis Aalen, Baden-Württemberg, ein Bulwersturmvogel ermattet aufgegriffen, der am 2.Juli ins NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen verbracht wurde, wo er am Tag darauf verstarb. Der Vogel wurde im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart präpariert und archiviert. Dies stellt den ersten Nachweis dieser Art für Deutschland und Mitteleuropa und nach unserem Kenntnisstand den ersten Nachweis im Binnenland weltweit dar. Die Merkmale und Maße des Vogels werden beschrieben und die Verwechslungsmöglichkeiten mit ähnlichen Arten diskutiert. Vom Bulwersturmvogel gibt es 21 Nachweise in der Westpaläarktis außerhalb der Brutgebiete, die aufgelistet werden. Die Untersuchung des Vogels ergab, dass es sich um einen weiblichen Vogel im mindestens zweiten Kalenderjahr handelte. Die Maße legen nahe, dass der Vogel von den Desertas nahe Madeira oder den Kanaren stammen könnte. Mögliche Gründe für das Auftreten dieses Vogels außerhalb der Brutgebiete werden diskutiert. Die Analyse der Witterungsverhältnisse ergaben keine Anhaltspunkte für eine Verdriftung des Bulwersturmvogels durch Starkwindereignisse, so dass man von einem Defekt im Orientierungssystem ausgehen muss. Der deutsche Nachweis wird in die dargestellte Phänologie der europäischen Nachweise eingeordnet und diskutiert. Er liegt inmitten des Schlupfzeitraumes der Jungvögel. Es wird vermutet, dass die meisten Nachweise von immaturen Nichtbrütern stammen, über die so gut wie nichts bekannt ist.

 

Zusammenfassung:

Hachenberg, A., C. Wegst & D. Schmidt-Rothmund 2017: Lost and found – ein neuer Nachweis der Zwergdrossel Catharus ustulatus für Deutschland. Seltene Vögel in Deutschland 2015: 46– 53.

Am 31. Oktober 2015 wurde in Markgröningen, Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg eine Zwergdrossel die Beute einer Katze, die sie in das Haus ihrer Besitzerin brachte. Der noch lebende Vogel wurde zunächst als Singdrossel Turdus philomelos bestimmt und in das NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen, Kreis Tübingen gebracht. Der Vogel verstarb auf dem Weg dorthin. Letztendlich wurde die Drossel von Mitarbeitern des Vogelschutzzentrums als Zwergdrossel bestimmt und später zur Präparation in das Staatliche Museum für Naturkunde nach Stuttgart gebracht. Die Feststellung stellt den dritten Nachweis einer Zwergdrossel für Deutschland dar und wurde von der Deutschen Avifaunistischen Kommission anerkannt. Der Vogel befand sich im ersten Kalenderjahr. Merkmale und biometrische Daten werden genau beschrieben. Aufgrund von Gefiedermerkmalen sowie den Körpermaßen wird der Vogel der östlichen Unterart C. s. swainsoni zugerechnet. Auch die bisherigen beiden deutschen Nachweise werden dargestellt. Diese wurden anhand der Bälge und Fotos ebenfalls als Vögel im ersten Winter bestimmt und der Unterart swainsoni zugeordnet. Alle 74 Nachweise im restlichen Europa sind aufgelistet. Zwergdrosseln treten in Europa in aller Regel im Herbst auf. Es gibt zwei Winternachweise und drei Nachweise aus dem Frühjahr. Die meisten Zwergdrosseln in Europa wurden im Oktober nachgewiesen. Bei den Frühjahrsnachweisen wird vermutet, dass es sich um Vögel handelt, die bereits im Herbst nach Europa kamen und im Frühjahr nach Norden ziehen. Die meisten Nachweise konzentrieren sich auf die westexponierten britischen und französischen Inseln. Viele davon wurden nach Schlechtwetterphasen mit ostwärts über den Atlantik ziehenden Tiefdruckgebieten erbracht. Im Jahr 2015 wurden in Europa sechs Zwergdrosseln nachgewiesen. Zusammen mit dem Jahr 2011 stellt es somit das bislang stärkste Auftreten dieser Art in Europa dar.